zurück

Welt-Nichtrauchertag 31. Mai 2000

​Tobacco kills - don't be duped

Der Krieg der Tabakindustrie gegen die öffentliche Gesundheit

Die Tabakindustrie hat der öffentlichen Gesundheit den Krieg erklärt, denn eine Zigarette ist das einzige Konsumgut, das tötet, wenn es bestimmungsgemäß verwendet wird. Tabak ist eine stark abhängig machende Substanz. 

WNRT 2000 Plakat

Die Tabakindustrie hat Wissenschaft, öffentliche Gesundheit und Politik unterwandert, um ihr Produkt, das Konsumenten abhängig macht, bevor es sie tötet, zu verkaufen. Die zur Verfügung stehenden Daten belegen, dass zwei Drittel der aktuellen Raucher im Alter von 10 bis 20 Jahren mit dem Rauchen begonnen haben. Eine Zigarette ist aber nicht etwa eine Papierhülse, in die Tabakblätter gerollt sind. Es ist im Gegenteil ein hochentwickeltes Produkt, das abhängig machen soll und letztlich tötet.

"Die Hersteller konzentrieren sich auf die niedrigen Inhaltsmengen bei Teer und Nikotin, um neue Marken zu schaffen. Sie zielen darauf, den Konsumenten irgendwie zu versichern, dass diese Marken im Vergleich zu herkömmlichen Zigaretten "gesünder" sind."

P.L. Short, British American Tobacco Company, "Ein neues Produkt", 1971

Lügen und noch mehr Lügen

Eins der vorrangigen Ziele der Tabakindustrie ist, zu suggerieren, dass Rauchen eine individuelle Verhaltensentscheidung darstellt. Die Irreführung besteht darin, dass die Aktivitäten und Praktiken der Tabakindustrie völlig unberücksichtigt bleiben. Der Mensch trifft Entscheidungen aber nicht in einem Vakuum, er bleibt nicht unbeeinflusst von seiner Umgebung, von Werbung und Marketing.

"Die Tabakunternehmen geben 6 Milliarden US $ jährlich aus, um Jugendliche zum Rauchen anzuregen. Sie suggerieren, dass Raucher sexy, attraktiv, erfolgreich, macho, cool und hip sind. In allen Medien verbreiten sie dieses Image – angefangen von einfachen Filmen über Magazine und sogar Comic-Figuren," so der frühere "Winston"-Mann Allan Landers, heute Anti-Tabak-Aktivist.

Die Forschung zeigt, dass die Entscheidung zu rauchen von der Tabakwerbung beeinflusst ist. Tabakwerbung mit Prominenten aus Sport und Unterhaltung verbreitet ein Raucher-Image, das Glamour, Luxus, Spaß, Gesundheit, Eleganz und Reichtum verspricht. In Ländern, in denen das Tabakwerbeverbot zu greifen beginnt, werden subtilere Formen der Produkt-Platzierung in Filmen und Musikvideos eingesetzt, um die jungen Leute zu erreichen. Wenn Jugendliche diese Absicht durchschauen, ist es meistens zu spät.

Die Bedrohung geht uns alle an

Die Tabakindustrie handelt als eine globale Macht, die kein Land und kein Volk ausnimmt. Es gibt auch keine ökonomischen oder gesundheitspolitischen Argumente zugunsten von Tabak: Rauchen tötet Menschen und untergräbt die nationalen Finanzen. An raucherbedingten Krankheiten starben in diesem Jahr vier Millionen Menschen. Ab dem Jahr 2020 etwa wird diese Rate von vermeidbaren Todesfällen auf zehn Millionen Tote pro Jahr angestiegen sein. Die Tabakindustrie und ihre Marketing-Strategen brauchen täglich ungefähr 11.000 neue Raucher, um die zu ersetzen, die am Rauchen sterben. Daher richten sie Ihre Kampagnen auf Kinder aus und verkaufen Abhängigkeit und Tod als Ausdruck von Rebellion und Freiheit, von Kultur und Erfolg.

"Um den steigenden und langfristigen Umsatzzuwachs der Camel Filter sicherzustellen, muß die Marke ihren Durchdringungsanteil in der Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen steigern. Diese Altersgruppe vertritt liberalere Werte und macht das Zigarettengeschäft von Morgen aus." 1975 Memo für C.A. Tucker, Marketing Vize-Präsident bei R.J. Reynolds

Der Täuschung entgegenstehen

Alle acht Sekunden stirbt ein Mensch an einer durch Tabak verursachten Krankheit und fast genauso schnell wird ein neues Opfer gefunden. Die Tabakindustrie verkauft Tod und Täuschung. Dieser Angriff auf die Weltgesundheit muß gestoppt werden. Die WHO will sich dieser globalen Herausforderung stellen. Im Mittelpunkt ihrer Aktion steht die Konzeption des ersten juristisch bindenden internationalen Abkommens für Gesundheit: Die WHO-Rahmenkonvention zur Tabakkontrolle (FCTC). Sie wird Themen wie Werbeverbot, Schmuggel, Besteuerung und landwirtschaftliche Diversifikation behandeln, um eine globale Antwort auf eine globale Bedrohung zu geben.

Während Aktivitäten zur Tabakkontrolle im Westen die Märkte schrumpfen lassen, erweitern die global agierenden Tabakunternehmen mit aggressiven Methoden ihre Märkte weltweit. Die WHO-Rahmenkonvention wird eine starke politische Plattform bereitstellen, auf der alle Staaten Kräfte bündeln und stärken können. Nur so ist es möglich, den betrügerischen, grenzüberschreitenden Taktiken der multinationalen Tabakunternehmen zu begegnen.

"Wenn Sie immer noch glauben, dass die Industrie einfach Tabak in Papierhülsen stopft, und nicht etwa eine fein abgestimmte Nikotindosis, hören Sie diese Äußerung eines leitenden Forschers in einem Tabakunternehmen, die kürzlich in einem lange Zeit versteckten Dokument entdeckt wurde. 1972 sagte er: Die Zigarette sollte nicht als ein Produkt, sondern als eine Verpackung verstanden werden. Das Produkt ist Nikotin. Die Zigarette dient als Spender einer Nikotindosis, ein Zigarettenzug als Vehikel des Nikotins." WHO-Generaldirektorin Dr. Gro Harlem Brundtland auf der 9. Internationalen Konferenz der Drogenregulierungsbehörden, Berlin, 27. April 1999

Die Informationsbarrieren überwinden

Der Schlüssel der Tabakindustrie zur Erschließung von Märkten weltweit ist aggressives Marketing, aggressive Werbung und Informationsbarrieren. Aktionen im Westen, wie die EU-Gesetzgebung, große Ausgleichszahlungen der Tabakindustrie in den Vereinigten Staaten, Tabakwerbeverbot etc. sind in Sri Lanka oder Mexiko nicht bekannt. Auf der anderen Seite wurde das unkontrollierte, im Westen konsequent abgestrittene Marketing in Entwicklungsländern und Ländern im Umbruch nicht ausreichend aufgedeckt. Mit Zigaretten-Diskotheken, Goldene-Zigaretten-Wettkämpfen u.ä. zielt diese Strategie besonders auf Jugendliche und Frauen. Um die Informationsbarrieren zu überwinden und globale Unterstützung für die WHO-Rahmenkonvention zur Tabakkontrolle zu gewinnen, wurde von der WHO die Medien-Initiative "Tabak ist der Killer - lass dich nicht für dumm verkaufen" entwickelt. Diese neue Medien-Initiative wird versuchen, die öffentliche Wahrnehmung des Tabakproblems systematisch zu schärfen, indem sie Politik und Gesundheitswesen bei der Aufdeckung der betrügerischen Taktiken der multinationalen Tabakunternehmen unterstützt.

"Offensichtlich gibt es enorme Möglichkeiten in all diesen Ländern. Ich würde sagen, dass der Bedarf an Zigaretten aus dem Westen unerschöpflich ist. Es ist eine phantastische Gelegenheit für jeden, und wir sprechen hier von allen Ländern." Stuart Watterton, Direktor Marktentwicklung bei British American Tobacco über neue Märkte in Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion, 1995

"Die amerikanische Tabakindustrie ist gut abgefedert. Egal, wie schlecht die Geschäfte in den USA laufen, der internationale Handel wird sie durchbringen." Allan Kaplan, Tabakanalyst bei Merrill Lynch & Co. über Philip Morris, 1997

Wider besseres Wissen: Worte von der Tabakindustrie

"Ich glaube nicht, dass Nikotin süchtig macht" Thomas Sandefur, Generaldirektor bei Brown & Williamson

"Ich glaube, dass Nikotin nicht süchtig macht" William Campbell, Philip Morris

"Und auch ich glaube, dass Nikotin nicht süchtig macht" James Johnston, R.J. Reynolds

Von Generaldirektoren unter Eid geleistete Aussagen vor dem Gesundheits- und Umweltunterausschuss im Kongress, 1994

Und andererseits:

"Nikotin macht abhängig. Dann verkaufen wir also Nikotin, eine süchtig machende Droge." Addison Yeaman, Brown & Williamson, 1963

"Rauchen ist für den Anfänger ein symbolischer Akt. Ich bin nicht länger das Kind meiner Mutter, ich bin stark, ein Abenteurer, kein Spießer... Wenn die Wirkung des psychologischen Symbols verblasst, übernimmt der pharmakologische Effekt, um die Gewohnheit zu erhalten .." Philip Morris, Vize-Präsident für Forschung und Entwicklung, "Warum ein Mensch raucht", erster Entwurf, 1969

Tobacco Free Initiative World Health Organization Avenue Appia 20 1211 Geneva 27 Switzerland Tel.: 0041 – 22 791 2108 Fax: 0041 – 22 791 4832 E-mail: 

Hintergrundinformationen