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Welt-Nichtrauchertag

Welt-Nichtrauchertag 2003 - 31. Mai 2003
Hintergrundtext des Aktionsbündnis Nichtrauchen

„Film und Fernsehen: Mit Schall, ohne Rauch“

Stars und Produzenten müssen Verantwortung zeigen

Anlässlich des diesjährigen Welt-Nichtrauchertages am 31. Mai 2003 rufen das
Aktionsbündnis Nichtrauchen – früher Koalition gegen das Rauchen – und die Deutsche Krebshilfe die Unterhaltungsindustrie und insbesondere die Welt des Films auf, aktiv für eine rauchfreie Gesellschaft einzutreten. Ihr Appell: Rauchende Schauspieler sind falsche Vorbilder für junge Menschen. Schluss mit der Schleichwerbung für Tabakprodukte in Film und Fernsehen.

Der diesjährige Welt-Nichtrauchertag steht unter dem Motto: „Film und Fernsehen: Mit Schall, ohne Rauch“. Im Rahmen einer medienwirksamen Auftaktveranstaltung am 30. Mai 2003 in Berlin wird das Aktionsbündnis gegen das Rauchen dieses Thema in die Öffentlichkeit tragen. Anlässlich einer Pressekonferenz werden unter anderem ein Filmwettbewerb gestartet und „rauchfreie Filme“ prämiert. Anwesend sein werden die Präsidentin der Deutschen Krebshilfe, Frau Prof. Dagmar Schipanski, und noch zu benennende Vertreter der Film- und Fernsehbranche.

Das Aktionsbündnis Nichtrauchen ist ein Bündnis namhafter Organisationen des Gesundheitswesens in Deutschland. 1992 wurde das Aktionsbündnis als Nichtregierungsorganisation (NGO) unter dem Namen Koalition gegen das Rauchen mit dem Ziel gegründet, Maßnahmen zur Eindämmung der Gesundheitsgefahr „Rauchen“ auf politischer Ebene anzuregen, zu fördern und zu begleiten. Folgende Organisationen bilden das Steuerungsgremium des Aktionsbündnisses: Ärztlicher Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit, Bundesärztekammer, Bundesvereinigung für Gesundheit, Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen, Deutsche Herzstiftung, Deutsches Krebsforschungszentrum, Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe und Deutsche Lungenstiftung.

Hintergrund Film und Rauchen

In Deutschland rauchen rund 20 Millionen Menschen zwischen 18 und 59 Jahren. Zigarettenrauchen führt in Deutschland jährlich zu mehr Todesfällen als durch Aids, Alkohol, illegale Drogen, Verkehrsunfälle, Morde und Selbstmorde zusammen. Rund 140.000 Menschen sterben hierzulande jährlich an den Auswirkungen des Tabakkonsums – das sind 380 Personen pro Tag. Im Vergleich dazu sterben in Deutschland jährlich etwa 42.000 Menschen durch Alkoholkonsum. 70 Prozent der 12- bis 17-Jährigen rauchen inzwischen regelmäßig oder gelegentlich – mit steigender Tendenz. Das durchschnittliche Einstiegsalter beträgt 13,5 Jahre. Es liegt deutlich unterhalb der gesetzlichen Altersgrenze für Tabakkonsum in der Öffentlichkeit (16 Jahre). Jugendliche, die bereits in frühen Jahren rauchen, kopieren damit vielfach das Verhalten von Eltern, Film- und Musikstars sowie von Lehrern.

Heute bildet der Film den erfolgreichsten Kontext, in dem das Image des Rauchens gedeihen kann und der Tabakkonsum als normales Verhalten dargestellt wird. Eine Zigarette hat keine eigene Persönlichkeit, soziale Schicht oder Emotionen. Doch in den Händen einer Filmberühmtheit entfaltet die Zigarette eine große Anziehungskraft. Denn wie diese modernen Heldinnen und Helden reden, welche Kleider sie tragen, was sie essen und trinken, übt einen grossen Einfluss auf das Verhalten und die Vorlieben der Öffentlichkeit aus, insbesondere der Jugendlichen.

Die Tabakindustrie hat dieses riesige Potenzial, die öffentlichen Verhaltensweisen durch Film und Mode zu beeinflussen, schon lange erkannt. Die Produkt-Platzierung ist ein günstiges Mittel, um nationale Anerkennung zu erlangen, das Firmenimage zu stärken und Werbeauftritte in einigen der aktuell erfolgreichsten Kino- und Fernsehprogramme zu erhalten. Die Tabakfirmen entgelten die Platzierung ihrer Produkte oft und gerne mit Zigaretten, Geschenken, Dienstleistungen oder Bargeld. Marlboro, die Marke Nr. 1 von Philip Morris, kommt in mindestens 28 Hollywood-Kassenschlagern der letzten zehn Jahre zum Zug – eine Rekordpräsenz, die selbst die gefragtesten Hollywood-Schauspieler in den Schatten stellt. Forschungen in den USA zeigen, dass bei nichtrauchenden Jugendlichen, deren Lieblingsschauspieler oft mit Zigarette am Bildschirm zu sehen sind, die Wahrscheinlichkeit 16 mal grösser ist, später zum Raucher zu werden. Nicht nur Hollywood ist von der Platzierung von Tabak-Produkten betroffen. Sein indisches Pendant, als Bollywood bekannt, beherbergt in Mumbai die weltweite grösste Filmindustrie und produziert jährlich über 800 Filme. Eine Untersuchung unter 395 zwischen 1991 und 2002 produzierten indischen Filmen ergab, dass bei 76,5 Prozent Tabakprodukte vorkommen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO vertritt den Standpunkt, dass die Tabakepidemie, die mittlerweile rund 5 Millionen Menschen pro Jahr tötet, eine „werbekommunizierte“ Pathologie ist. Durch den diesjährigen Appell, Filme von unterschwelliger Tabakwerbung zu befreien, will die WHO der Weltöffentlichkeit diesen krassen Missstand bewusst machen: Wir erlauben die freizügige Werbung für ein Produkt, das jedes Jahr Millionen von Menschenleben kostet.

Bonn, 24. April 2003