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Welt-Nichtrauchertag

Welt-Nichtrauchertag  2003 – Tobacco Free Fashion and Films

2003 steht der Welt-Nichtrauchertag unter dem Motto “Tobacco Free Fashion and Films”. Die Weltgesundheitsorganisation WHO appelliert an die Unterhaltungsindustrie und insbesondere an die Welt des Films und der Mode, nicht mehr für ein Produkt zu werben, das gravierende Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit hat. Film und Mode sollen statt dessen aktiv für eine rauchfreie Gesellschaft eintreten.

Heute bilden Film und Mode den erfolgreichsten Kontext, in dem das Image des Rauchens gedeihen kann und der Tabakkonsum als normales Verhalten dargestellt wird. Eine Zigarette hat keine eigene Persönlichkeit, soziale Schicht oder Emotionen. Doch in den Händen einer Film- oder Modeberühmtheit entfaltet die Zigarette eine unwiderrufliche Anziehungskraft. Denn wie diese modernen Heldinnen und Helden reden, welche Kleider sie tragen, was sie essen und trinken, übt einen grossen Einfluss auf das Verhalten und die Vorlieben der Öffentlichkeit aus, insbesondere der Jugendlichen.

Die Tabakindustrie hat dieses riesige Potenzial, die öffentlichen Verhaltensweisen durch Film und Mode zu beeinflussen, schon lange erkannt. Die so genannte Produkt-Platzierung ist ein günstiges Mittel, um nationale Anerkennung zu erlangen, das Firmenimage zu stärken und Werbeauftritte in einigen der aktuell erfolgreichsten Kino- und Fernsehprogramme zu erhalten. Die Tabakfirmen entgelten die Platzierung ihrer Produkte oft und gerne mit Zigaretten, Geschenken, Dienstleistungen oder Barem. Marlboro, die Marke Nr. 1 von Philip Morris, kommt in mindestens 28 Hollywood-Kassenschlagern der letzten zehn Jahre zum Zug – eine Rekordpräsenz, die selbst die gefragtesten Hollywood-Schauspieler in den Schatten stellt. Forschungen in den USA zeigen, dass bei nichtrauchenden Jugendlichen, deren Lieblingsschauspieler oft mit Zigarette am Bildschirm zu sehen sind, die Wahrscheinlichkeit 16 Mal grösser ist, dass sie später in ihrem Leben dem Rauchen Positives abgewinnen können. Nicht nur Hollywood ist von der Platzierung von Tabak-Produkten betroffen. Sein indisches Pendant, als Bollywood bekannt, beherbergt in Mumbai die weltweite grösste Filmindustrie und produziert jährlich über 800 Filme. Eine Untersuchung unter 395 zwischen 1991-2002 produzierten indischen Filmen ergab, dass bei 76,5% Tabak vorkommt.

Die Produkt-Platzierung ist auch in der Modewelt ein bewährtes Mittel. Die Tabakfirmen benutzen die Namen der berühmtesten Designer und die schönen bekannten Gesichter der Models, um ihre Produkte zu vermarkten. Es werden Modeshows und Wettbewerbe für angehende Designer gesponsert, um Werbeauftritte und Glaubwürdigkeit zu erlangen. Ursprünglich zielten diese Marketingaktionen hauptsächlich auf Frauen, doch in jüngster Zeit wurde das Zielpublikum auf junge Menschen beider Geschlechter ausgeweitet. Die Tabakfirmen beschränken sich nicht mehr nur auf Werbung in modeorientierten Magazinen, sondern promoten ihre eigenen Kleidermarken und sponsern diverse Modeveranstaltungen, vermehrt auch an jugendlichen Treffpunkten wie Diskotheken. Weil Models ausserdem extrem schlank sind, erhöht sich durch ihre Assoziierung mit Zigaretten der Werbeeffekt bei Frauen.

Im Mai 2003 wollen die WHO-Mitgliedsstaaten ein Abkommen verabschieden, an dem sie fünf Jahre gearbeitet haben. Die Rahmenkonvention zur Tabakkontrolle (Framework Convention on Tobacco Control, FCTC) wird das erste von der WHO initiierte Regelwerk sein, das weltweit geltende Normen vorgibt, unter anderem im Bereich Marketing, Werbung, Promotion und Sponsoring von Tabakprodukten. Die WHO vertritt den Standpunkt, dass die Tabakepidemie, die mittlerweile rund 5 Millionen Menschen pro Jahr tötet, eine „werbekommunizierte“ Pathologie ist. 2002 rief die WHO dazu auf, der Manipulation des Sports durch die Tabakindustrie einen Riegel vorzuschieben. Durch den diesjährigen Appell, Film und Mode von unterschwelliger Tabakwerbung zu befreien, will die FCTC der Weltöffentlichkeit diesen krassen Missstand bewusst machen: Wir erlauben die freizügige Werbung für ein Produkt, das jedes Jahr Millionen von Menschenleben kostet.

Die WHO appelliert daher an die Filmindustrie:

  • Zertifikat über die entschädigungsfreie Tabakpräsenz. Die Produzenten sollten in den Danksagungen am Ende des Films ein Zertifikat publizieren, in dem erklärt wird, dass in der Produktion keine Entschädigungen irgendwelcher Art (Bargeld, Gratiszigaretten oder andere Geschenke, Gratiswerbung, zinslose Darlehen usw.) für die Benutzung oder das Zeigen von Tabakwaren entgegen genommen wurden.
  • Einführen von starken Anti-Tabak-Werbespots. Filmproduzenten und Kinobetreiber sollten verlangen, dass vor der Vorführung eines Films, in dem Tabak vorkommt, ein konsequenter und starker Anti-Tabak-Werbespot gezeigt wird (der Spots sollte nicht von einer Tabakfirma hergestellt worden sein). Dabei spielt es keine Rolle, ab welchem Alter ein Film freigegeben ist.
  • Stopp den Markenauftritten. In Filmszenen oder im Hintergrund sollten weder Markennamen noch sonstige Markenauftritte (etwa auf Plakatwänden) erkennbar sein.
  • Umsetzen eines adäquaten Einstufungssystems. Sobald in einer Filmszene von Tabak gebraucht gemacht wird, Tabakwerbung zu erkennen ist oder sonstige tabakfreundliche Bilder vorkommen, sollten die betreffenden Aufsichtsbehörden den Film als „nicht jugendfrei“ einstufen und deshalb empfehlen, den Film nur „unter der Aufsicht von Erwachsenen“ zu schauen.

Diese Massnahmen können umgesetzt werden, ohne die künstlerische Freiheit zu beeinträchtigen oder zu beschneiden.

Der Aufruf der WHO an die Modeindustrie ist genauso unzweideutig:

  • der Tabakkonsum soll nicht mehr als glamourös, vergnüglich, sexy oder attraktiv dargestellt werden;
  • kein Tabaksponsoring bei Modeshows, -preisverleihungen und -wettbewerben;
  • keine Tabakmarkennamen auf tabakfremden Produkten oder Dienstleistungen, die mit Mode verbunden oder als trendy angesehen sind, z.B. Parfums, Cafés und Bistros, Reiseagenturen, Abenteuerrennen;
  • kein Verkauf und keine Gratisverteilung von Kleidern, Schuhen und Modeartikeln, die mit Markennamen, Logos oder anderen Kennzeichen von Tabakprodukten versehen sind.

Die Stars der Modewelt – Designer, Models, Manager, Eventpromoter, Produzenten und Organisatoren sowie Werber oder Herausgeber von Magazinen und Websites – sollen ihre Verantwortung als Vorbilder wahrnehmen und sich der Beeinflussung bewusst werden, die sie insbesondere gegenüber Frauen und Jugendlichen ausüben können. Die Modeschaffenden sollen sich aktiv gegen die Benutzung und Promotion von Tabakwaren einsetzen.

Einige Länder sind bereits mit gutem Beispiel vorausgegangen, darunter Frankreich, Australien, Neuseeland und die USA: Models, internationale Shows und weltweit anerkannte Modemagazine haben sich einer tabakfreien Politik verschrieben und lehnen Sponsoring, Werbung, Promotion und jede andere Nutzung von Tabak konsequent ab. 2003 wollen wir mit geeinten Kräften an der Verwirklichung dieses Zieles arbeiten.

Wir möchten der am Hauptsitz basierten WHO-Initiative „ohne Tabak“ danken für die freundliche Hilfe beim Zusammenstellen des Hintergrundmaterials für das vorliegende Papier.

Weiter führende Informationen zum Welt-Nichtrauchertag finden Sie unter  www.who.int/tobacco. Für nähere Auskünfte zu den in Europa geplanten Aktivitäten in Verbindung mit dem Welt-Nichtrauchertag wenden Sie sich an das „Tobacco Free Initiative Europe Programme“ des WHO-Regionalbüros: gde@who.dk, han@who.dk, Tel. +45 39 17 1304, Fax +45 39 17 1854.

Januar 03